SozialRevolution!

Kategorie: Newsletter DE
E. Brynjolfsson, G. Hüther, Y. Varoufakis, R. Reich, A. Wenger
13 Mär, 2017

Ein Buch zum notwendigen Überdenken unserer Sozialsysteme


Es wird immer deutlicher, dass wir über das Verhältnis von Arbeit und Einkommen gänzlich anders denken müssen, als in der Vergangenheit. Autoren aus allen Bereichen der Gesellschaft fangen an, die klassischen Axiome in Frage zu stellen. Das hier vorgestellte Buch ist ein gutes Beispiel dafür.

Unser Arbeitsleben steht vor einer grundlegenden Revolution. Computer und Roboter arbeiten in vielen Bereichen schon schneller, effizienter, unermüdlicher und präziser als menschliche Arbeitskräfte. Sie erledigen einen immer größeren Teil der Wertschöpfung, besonders im Bereich produktiver, berechen- und wiederholbarer Tätigkeiten. Das hat gewaltige Folgen auch für die menschliche Biographie, die Gesellschaft und die sozialen Sicherungssysteme. Der klassische „Arbeitsplatz“ gehört immer mehr der Vergangenheit an. So gut wie niemand wird künftig mehr 45 oder 50 Jahre montags bis freitags im gleichen Beruf tätig sein.

An die Stelle von Vollzeitarbeitsplätzen tritt schon heute vor allem für junge Menschen ein Patchwork von Projekt-Jobs, meist durch das Internet vermittelt und abgerechnet. Wie diese Menschen Jahrzehnte lang Monat für Monat für ihre Rente ansparen sollen, bleibt ungelöst, Die Renten- und Sozialversicherung des 19. Jahrhunderts wird dieser kategorialen Revolution des Arbeitslebens genauso wenig gerecht wie die klassischen Betriebsrenten, die vom Arbeitgeber am Ende eines treuen Arbeitslebens im Betrieb ausbezahlt werden.

Welche sozialen Beziehungen brauchen wir also, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen? In dem gleichnamigen, von Börries Hornemann und Armin Steuernagel herausgegebenen Buch fordern 13 renommierte und international bekannte Denker nicht weniger als eine „Sozialrevolution“: Die Autoren argumentieren aus deutlich unterschiedlichen weltanschaulichen Perspektiven. Eine Gemeinsamkeit ist ihr starker Bezug zur Idee eines „bedingungslosen Grundeinkommens“ – denn die Initiative zu diesem Buch ist im Zusammenhang der Schweizer Kampagne für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens entstanden.

Dabei stellen die Autoren diese Frage wie die die Frage nach der „Zukunft der Arbeit“ in einen größeren Kontext. Das Buch enthält Beiträge u.a. vom Leiter des libertären Cato Institut, Mike Tanner, über Gehirnforscher Gerald Hüther und Twitter-Investor Albert Wenger bis hin zu Robert Reich und Yanis Varoufakis. Dabei wird immer deutlicher, dass wir über das Verhältnis von Arbeit und Einkommen gänzlich anders denken müssen, als in der Vergangenheit. Lesenswert!

Gerald Häfner


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