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Bücherverbannung

Kategorie: Newsletter DE
Gerald Häfner
20 Mai, 2017

Über 2.100 Bücher des Istanbuler Belge-Verlags konfisziert


am Sonntagabend, den 7. Mai, wurde der renommierte Belge-Verlag in Istanbul von Sondereinsatzkräften der Polizei gestürmt. Sie haben über 2.100 Bücher mit der Begründung konfisziert, dass den Exemplaren die staatliche Steuermarke fehlt. Dabei handelte es sich jedoch allesamt um Bücher, die gedruckt wurden, bevor diese Marke überhaupt eingeführt wurde. Belge ist dafür bekannt, Sachbücher zu brisanten Themen zu veröffentlichen, die die Regierung gerne unter den Teppich kehren würde. So war Belge der erste Verlag in der Türkei, der ein Buch über den Genozid an den Armeniern veröffentlichte. Gegen Ragıp Zarakolu, der den Verlag im Jahr 1977 gemeinsam mit seiner mittlerweile verstorbenen Ehefrau Ayşe Nur gegründet hat und dessen Einsatz für die Meinungsfreiheit durch viele internationale Preise gewürdigt wurde, besteht seit einigen Monaten Haftbefehl. Glücklicherweise hielt sich der Verleger zu der Zeit, als der Haftbefehl erlassen wurde, im Ausland auf. Er lebt jetzt im Exil. 29 Verlage in der Türkei wurden bereits geschlossen, unzählige Zeitungen, Radio- und Fernsehsender verboten, Redaktionen geschlossen, Tausende Journalisten und Schriftsteller verhaftet oder entlassen. Der Furor gegen Andersdenkende und unabhängige Medien in der Türkei geht weiter. Wir alle schauen hilflos zu, wie Meinungsfreiheit, Grund- und Menschenrechte und die Demokratie selbst mit erschreckender Zielstrebigkeit zerstört werden.

Gerald H.